Trauerschaden bei Tod des Kindes?

30.07.2014

Seit dem Jahr 2001 kommt der Rechtsprechung zufolge, ein Ersatz des Trauerschmerzes über den Verlust naher Angehöriger in Betracht. Dafür müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Zum einen muss den Schädiger ein schweres Verschulden, also grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz, treffen. Maßgeblich ist weiters das Vorliegen einer intensiven Gefühlsgemeinschaft zwischen Opfer und nahem Angehörigen. Nun stellt sich die Frage, ob in einer Konstellation, in welcher der Vater sein Kind nicht einmal kannte (kennen lernen konnte), eine derartige „intensive Gefühlsgemeinschaft“ vorliegt; ob also die Zuerkennung eines Trauerschadens möglich ist, wenn ein Elternteil sein Kind schon während des Geburtsvorganges verliert. In einem kürzlich entschiedenen Rechtsfall bejahte das OLG Graz diese Frage (OLG Graz 25.7.2013, 3 R 127/13s). Der Umstand, dass es sich um ein Wunschkind handelte und der Vater an allen Vorsorgeuntersuchungen teilnahm, ließ das Gericht zu der Ansicht kommen, dass zwischen dem Ungeborenen und dem Vater durchaus bereits eine intensive Gefühlsgemeinschaft vorlag. Schließlich entwickelte der Vater in Folge des Todes seines Kindes eine starke Trauerreaktion. Sein Trauerschmerzengeld wurde in diesem Fall mit € 10.000 bemessen. Zahlen musste diesen Betrag die Hebamme, da sie entgegen eindringlicher Warnungen der behandelnden Ärzte eine Hausgeburt vornahm. Das Gericht betonte aber in diesem Fall, dass man in einer wie vorhin dargestellten Situation, nicht automatisch als Elternteil den Anspruch auf Trauerschmerzengeld hätte, sondern, dass es auf eine Einzelfallbetrachtung ankäme.

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